Wolfis Abenteuer
oder die Geschichte eines Spaniers, der einen weiten Weg zurücklegte um eine neue Familie zu finden...

Tja, wie fängt man (oder besser gesagt Hund) an, seine eigene Geschichte zu erzählen?

Ich habe keine Ahnung und weiß auch gar nicht ob es jemanden interessiert, egal....

Das erste meiner bisher zwei Lebensjahre ist schnell erzählt. Ich bin geborener Spanier und irgendwie (ich verstehe es bis heute nicht) in einer dieser grauenvollen Tötungsstationen gelandet (das Leben meinte es bis dahin nicht so gut mit mir, aber Leute da draußen, glaubt mir: „...ein echter Wolfi gibt nicht auf...“)

Tief in mir drinnen wusste ich, dass es ernst für mich aussah. In so einer Station lebt man (oder besser gesagt Hund) nicht so gut und vor allem nicht so lange, also was tun? (ich hatte schon ein paar Ideen: Pfoten raus und buddeln das die Erde nur so fliegt, buddeln, buddeln - klappt nicht, die Wächter nett anlächeln - interessiert niemanden, winseln und ganz, ganz traurig reinschauen - klappt auch nicht....) Aber Leute da draußen, glaubt mir: ich wusste nur eins: „ein echter Wolfi gibt nicht auf“; also NICHT AUFGEBEN!!!!

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Eines Tages kam Aufregung ins sonst so triste Stationsleben. Ich beobachte seit einiger Zeit, das manche meiner Leidensgenossen abgeholt wurden. Eine Frau von einem Verein, der sich „Tiere in Spanien“ nennt, holten einige hier raus und ich wusste: das ist meine Chance, das musste ich auch schaffen, überall ist es besser als hier, aber wie? (...Wolfi lasse dir was einfallen, sonst ist es zu spät...grübel, grübel....)

Und wieder kam ein Tag an dem eine Frau (heute weiß ich das ihr Name Antje ist) ein paar Freunde von mir abholte.
Ich hatte nichts zu verlieren, also ran ans Gitter, Pfoten raus und laut rufen: „Hey, du da, hol mich mit!!!!“ (in hündisch heißt das: „wau, wau...wau“) und tatsächlich, Antje drehte sich zu mir um, schaute in meine Augen und es geschah. Antje ging ohne mich fort. (damals dachte ich:“ meine letzte Chance ist nun vorbei“, heute weiß ich, sie musste erst mal mit meinem neuen Frauchen telefonieren).
Ein paar Tage später dann raschelte es in meinem Türschloss und tatsächlich ging sie auf und ....davor stand Antje. Sie kam zurück, zurück um mich zu holen. (nie werde ich diesen Augenblick vergessen, ein kleines Wunder - mein Leben war gerettet. Unter uns gesagt Antje und ihre Freunde sind echte „Lebensretter“ und sollte sie irgendwann mal vorbeikommen kriegt sie mein liebstes Leckerli - versprochen - Wolfiehrenwort)
Antje nahm mich mit und ich stieg lächelnd in ihr Auto. Ich wusste, jetzt kann es nur besser kommen und tatsächlich landete ich auf einem Gelände, in dem man (oder besser gesagt Hund) laufen konnte, es etwas zu fressen gab und ich nicht allein war. Ein paar Hunde kannte ich noch von der Strasse, ein paar waren mir noch von der Tötungsstation bekannt und ein paar waren neu, aber alles in allem war alles o.k und ich atmete erst mal tief durch, ließ mich ein bisschen streicheln und kraulen und lieb haben, spielte mit den anderen Kumpanen, schlief eine Runde und war mir bewusst: „Wolfi du bist ein Glückspilz“! (Jeder der es sehen wollte und jeder, der es nicht sehen wollte konnte mein Lächeln in dieser Nacht sehen und die Sterne funkelten nur für mich und sogar der Mond lächelte...)
Zwei... oder drei.... oder vier Tage durfte ich auf dem Grundstück bleiben. Dann kam da eine Frau, die Martina hiess (sie war ganz schön gestresst in dieser Zeit, irgendwie war was mit der Organisation des Fluges, aber man sagte mir: „es ist alles in Ordnung, noch ein bisschen Geduld, ich weiß nicht so genau wen sie meinte, mich? oder mein neues Frauchen?  oder uns beide?)

Dann kam schließlich mein Tag! Freitag, (nein nicht der 13) Freitag, der 19.12.2003. Morgens war Martina mal wieder ein bisschen gestresst. (kennen wir ja, aber irgendwie auch anders als sonst). Sie lud mich und ein paar andere Hunde und ich glaube auch noch zwei Katzen ins Auto und ab ging die Post (irgendwie ziemlich was los in meinem Leben... immer unterwegs...nun ja...)
Wir fuhren zum Flughafen, rein in die Boxen, Türen zu, rauf auf den Transporter, runter vom Transporter, rein ins Flugzeug und rums di bums Tür zu und ab (ich gebe ja zu ganz geheuer war mir die Sache nicht, aber was sagt Wolfi immer: „ein echter Wolfi gibt nicht auf“, also NICHT AUFGEBEN, ganz ruhig, mal nach rechts schauen: Koffer - links: Koffer - ob da wohl Leckerlis drin sind? - ganz ruhig Wolfi, auch wenn’s Turbulenzen gibt (sind ja nicht die ersten in meinem Leben) und siehe da rums di bums, Ende aus....Ruhe! Die Tür geht auf, rauf auf den Transporter, runter vom Transporter,  riecht hier ganz anders und kalt ist es auch......Türe auf und ......was ist das denn?
Mehrere Frauen und ein Mann (ist mein neues Herrchen, weiß ich aber noch nicht) schauen in die Boxen, reden wirres Zeug (Deutsch nennt man das wohl) und ....da kommt eine Frau (ist mein neues Frauchen, weiß ich aber auch noch nicht), schaut mich an, steckt ihre Hand zu mir rein und redet ganz ruhig mit mir, streichelt mich und ich kuschele mich mal ganz schnell an ihre warme Hand und   (eigentlich soll ich das nicht verraten, sie wischt sich schnell ein paar Tränen von ihrer Wange) sie nimmt mich raus aus dieser Box, ich strecke mich und recke mich und gehe das erste mal mit meinem Frauchen Anja Pippi machen!
 

Dann sage ich meinen „Mitflughunden und natürlich –katzen“ (ich weiß ja schließlich was gutes Benehmen ist): „Tschau und macht`s mal gut“ und gehe mit Frauchen und Herrchen zum Auto. Da gab es erst mal einen guten Schluck Wasser und dann ....ab die Post...ins neue Heim.

Zuhause angekommen begrüßten mich erst mal Frauchens Eltern, ganz nett die zwei und dann konnte ich nicht mehr, ich legte mich erst mal hin und schlief ein (ein bisschen unruhig noch, denn ich war mir nicht sicher welche Turbulenzen noch kommen würden oder etwa keine mehr?)

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Nach meinem Nickerchen erkundete ich erst mal mein neues Reich, ein ganzes Haus, keine anderen Hunde, ein Papagei..und dann Türe auf und ein Hof - mit Wiese - und Garten - alles MIR! (und wieder wusste ich: Wolfi, du bist ein Glückspilz...) Nachts schlief ich dann bei Frauchen und Herrchen, wachte noch ab und an auf, aber sie waren bei mir, egal wann ich schaute, sie blieben bei mir, also weiterschlafen - schön warm hier und so ruhig, ich sage euch: jeder der es sehen wollte und jeder, der es nicht sehen wollte konnte mein Lächeln in dieser Nacht sehen und die Sterne funkelten nur für mich...und der Mond lächelte auch...)
Am nächsten Morgen musste ich dann wieder ins Auto (ich will nicht mehr, bitte keine Turbulenzen mehr - bitte....) Dr. Feiden hieß unser Ziel. Mein neuer Arzt (und ich glaube er ist ganz o.k). Er untersuchte mich, versorgte meine entzündete Kralle und gab Frauchen ein „Shampoo für Wolfis“ mit. Dann wieder nach Hause. (mittlerweile weiß ich, egal was passiert, wir kehren immer wieder dorthin zurück - ein echtes Zuhause eben!)
Jetzt war „Badestunde“ angesagt, rein in die Badewanne, jede Menge Schaum und streicheln und bürsten, ich wehrte mich so gut ich konnte und Herrchen kämpfte mit - sah auch aus wie gebadet, ich teile gerne, bin ein sozialer Hund - abspülen und Frauchen sagte: „Jetzt haben wir einen sauberen Wolfi und ein sauberes Herrchen!“ Sie fand das ganz lustig, ich und mein Herrchen nicht so, aber ..was soll`s.
Nachmittags erkundete ich dann, gemeinsam mit Frauchen, die nähere Umgebung. Ich muss noch an die Leine, damit ich nicht weglaufe.
In der Nachbarschaft wurde ich ganz nett begrüßt,.....o.k. der Mann im „Bäckerauto“ will meine Nase nicht in seinen Brötchen und Frauchen sagt dann „Pfui“, aber Frauchen hat ja keine Ahnung, riecht doch ganz gut, sind bestimmt lecker, nicht pfui, aber sie lassen mich ja nicht probieren)

Viele Wiesen und Wälder, ein paar Hunde - hündisch ausgedrückt: die Gegend hier ist einfach ein Wolfiparadies“...wau...wau.........!!!!
Montags, (jetzt bin ich schon drei Tage hier) musste Frauchen weg (sie hat einen „Kugelbauch“ und erklärt mir immer ich darf da nicht so draufspringen, weil da ein Baby drin ist, ist mir aber egal, ich springe trotzdem und manchmal lege ich auch meinen Kopf drauf und schlafe ein bisschen, aber manchmal klopft es von innen, ich schnuppere dann und schubse mit der Nase zurück...und Frauchen lacht dann...)
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Also, ich musste bei „Opa“ bleiben. Er gab mir was zu fressen (echte, deutsche Qualitätsfleischwurst und Leberwurstbrot, kann ich mich dran gewöhnen, aber ich darf noch nicht so viel davon essen, ich kämpfe noch ein bisschen mit Durchfall, ihr versteht, der ganze Stress geht auch mir durch den Magen) und dann ging ich ein bisschen in meinen Hof - mal schauen was es da hinten so gibt... ohhhh eine offene Tür und so gehe ich mal alleine los, die Nachbarschaft ist immer noch nett, Nachbars Garten auch, ein bisschen buddeln und siehe da Opa kommt auch - scheint ein bisschen aufgeregt...redet wirres Zeug...(..Deutsch heißt das wohl, glaube ich..) ....ich könne nicht alleine losziehen...“siehste doch Opa.. ich kann das“...o.k. dann halt wieder nach Hause.......
(die Gelegenheit alleine loszuziehen kam nie wieder, alle Türen sind jetzt zu - eigentlich schade, aber unter uns gesagt, es gibt Schlimmeres..)
Mittlerweile habe ich mich ganz gut eingelebt hier. (o.k. Frauchen und ich haben manchmal Meinungsverschiedenheiten, sie nennt das Erziehung, ich nenne das Spielverderberin. Hier darf man nicht auf den Tisch springen und das kann ich gut. Hier darf man sich auch nicht selbst bedienen, Frauchen oder Herrchen geben mir Essen oder Oma oder Opa. Und Schuhe darf ich auch nicht anknabbern  und der Mülleimer ist auch tabu. Dafür habe ich aber eigene Knabberschuhe ganz für mich alleine...

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Alles in allem gefällt es mir ganz gut hier und manchmal denke ich: Wolfi, du bist ein Glückspilz und jeder, der es sehen möchte...und jeder, der es nicht sehen möchte....kann mein Lächeln sehen.....und die Sterne funkeln für mich und sogar der Mond lächelt!


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..so für heute reicht es erst mal, irgendwann erzähle ich euch mehr von mir und wenn das Baby mal da ist gibt es ganz sicher die Fortsetzung meiner Abenteuergeschichten.....

Ich sage: „Tschau“ und für alle meine Freunde da draußen ein herzliches
„WAU... WAU“
und für alle meine spanischen Genossen ein „NUR NICHT AUFGEBEN“ !!!! ( „Tiere in Spanien“ findet auch EUCH...und dann funkeln die Sterne auch für euch...und der Mond lächelt...versprochen!)


Euer WOLFI