Nachdem nun schon ein paar Pflegehunde durch unsere Hände gingen und wir für sie gute Plätze finden konnten, erreichte uns eines Tages das Bild vom alten Opi Menut. Eigentlich wollten wir ja eine kurze Pause einlegen bei der Aufnahme von Pflegehunden, um unseren eigenen Tieren mal wieder die volle Aufmerksamkeit geben zu können. Aber wie ich das Bild sah mit dem winzigen klapperdünnen und vollkommen unglücklich dreinschauenden Hündchen, wars mit den Vorsätzen sofort wieder vorbei. Er blickte mich aus einem Zwinger an, dessen Gitterstäbe dicker waren als seine Taille. Er saß noch in der Tötungsstation und man konnte in seinen Äuglein die Verzweiflung deutlich sehen. Er konnte überhaupt nicht verstehen, wieso er dort so herzlos abgegeben wurde, wo er doch zehn Jahre lang glücklich bei einer alten Dame gewohnt hatte. Plötzlich fand er sich in einem Zwinger, auf kaltem Boden zwischen anderen, wahrscheinlich wesentlich größeren Hunden wieder, und seine kleine Welt war komplett eingestürzt. Er sah so unglücklich aus, dass wir sofort beschlossen ihn zur Pflege zu nehmen.
 
Als wir ihn übernahmen, stand er als kleines Häufchen Elend vor uns: schmutzig, ängstlich, klapprig wie ein Gerüst und ziemlich teilnahmslos. Ich schmolz natürlich sofort dahin...
Zuerst wollten wir ihn ja noch vermitteln. Wir hatten schließlich nur einen Pflegeplatz zu vergeben, denn mit mehreren eigenen Katzen, Pferden und einem eigenen Hund sind unsere Kapazitäten damit ausgeschöpft.
Aber nach ein paar Wochen war mir klar, dass das fast unmöglich werden würde. Er hatte sich zwischenzeitlich so an uns und besonders an mich gewöhnt, dass ich es nicht übers Herz brachte, ihn wieder wegzugeben. Alleine die Vorstellung, dass er mit anderen Leuten in einem Auto wegfahren würde, sich das Näschen an der Scheibe plattdrückte um nach uns Ausschau zu halten und irgendwie doch zu wissen, dass er nicht wieder zurückkommen würde, neee, das ging über meine Belastbarkeitsgrenze. Bei allen anderen Hunden konnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden, aber nicht bei diesem alten Herrn.
 
Kam ich am Abend nach Hause, erzählte mir mein Mann, dass der kleine "Menut" den Vormittag auf meinem Kopfkissen verbracht hatte (obwohl er natürlich nicht ins Bett darf ...hüstel), den Nachmittag in der Einfahrt vor dem Tor saß und auf mich wartete und nicht mal mit meinem Mann pazierengehen wollte. Tja, wer kann da schon widerstehen?! Er ist ein dermaßen anhängliches Kerlchen (ist wohl ein Mix aus Chiahuahua und was auch immer), blitzgescheit (hat seinen ersten Maulkorb - den er leider manchmal tragen muß - im Garten vergraben), lustig, aufgeweckt und wirklich praktisch: er haftet nämlich magnetähnlich an meinen Beinen...
Er liebt Spaziergänge, und spielt auch in seinem Alter noch gerne mit dem Ball. Sein Fell glänzt inzwischen wie eine Speckschwarte, er hat an Gewicht zugenommen und sich seinen Platz als Familienoberhaupt gesichert. Er hat uns wirklich gut im Griff: Er liegt auf der Couch, darf am Fußende des Bettes schlafen (was bisher wirklich keiner unserer Hunde durfte! Indianerehrenwort!!!), und bekommt öfter mal Essensreste in seinen Napf , weil er eben Hundefutter verabscheut und sich schließlich mit nichts zufriedengeben will, was wir nicht auch essen würden. Kuchen und Käse gehören zu seinen absoluten Leibspeisen und ich vemute, nach dem er sich standhaft weigert Hundefutter zu fressen, dass er die vergangenen Jahre ausschließlich mit Tischresten ernährt wurde. Das ist sicher keine hundegerechte Ernährung, aber er ist so standhaft in seiner Weigerung, dass wir fast keine andere Wahl haben. Aber wir tun weiterhin unser Bestets um ihn davon zu überzeugen, dass diese Ernährung nichts für ihn ist... aber irgendwie glaube ich, er frisst - wenn überhaupt - das Trockenfutter nur mit dem Hintergedanken UNS einen Gefallen damit zu tun.
Mit unseren beiden Katern (alles Tierschutzkatzen) verbindet ihn von Anfang an eine nette Freundschaft - das auf dem einen Bild mit dem schwarz-weissen Fellbündel auf der Couch sind tatsächlich ZWEI Tiere: Menut und unser schwarzweißer Kater Mäx. Mit Tiger Pedro schläft er oft Kopf an Kopf. Vor Kätzin Tweety hat er allerdings größten Respekt, von ihr hat er sich schon mehrmals - naja, nennen wir es mal "vorsichtige Ermahnungen" eingefangen.
 
Einziges Problem ist leider, dass Menut sich nicht wirklich gut mit unserem bereits vorhandenen Pekingesenrüden Janosch versteht. Zwischenzeitlich dulden sie sich zumindest und nehmen miteinander vorlieb, damit jeder nicht alleine sein muss, aber wirklich Freunde werden die beiden wohl nie werden. Das trübt die Freude etwas, weil mein Mann und ich immer Bedenken haben, dass vielleicht ein anderes Mitglied unserer Tierfamilie in unserer Aufmerksamkeit zu kurz kommt, denn Menut beansprucht eine Person für sich ganz alleine. Aber Janosch hat das für einen Pekingesen typische sonnige Gemüt das durch nichts so schnell aus der Ruhe zu bringen ist und so wird es schon weiterhin gut gehen.

Ganz herzliche Grüße aus München,
Sylvia und Chris Enders mit Opi Menut, Janosch, Mäx, Pedro und Tweety und und und....