Luca hat ja, wie besprochen, 6 Wochen im Tierheim Castrop-Rauxel verbracht, weil wir eine Woche auf dem Vegetarier-Weltkongress in Dresden und dann einige Tage auf einem Tierrechtskongress in Hannover waren.

    

Die ursprünglich geplante Reise haben wir dann doch gestrichen, um ihn Anfang letzter Woche zu uns holen zu können, wenn er sich auch im Tierheim sehr wohl gefühlt hat, da er dort ja oft im Hof laufen durfte und ein Mal täglich einen längeren Spaziergang machen konnte, manchmal bei großer Hitze auch mit Schwimmen im Teich.

 

    

Wir haben ihn zwischendurch immer wieder besucht und sind mit ihm spazieren gegangen, aber er sollte ja nicht die Enttäuschung erleben, erst im neuen Heim und dann wieder Tierheim... Inzwischen ist er eine Woche bei uns und hat sich schon gut eingelebt, wie wir finden. Es hat sich herausgestellt, dass er nichts sieht (höchstens auf einem Auge etwas Hell/Dunkel) und auch nichts hört, auf 3m kann er nicht hören, wenn man ihn normal ruft oder pfeift. Seine Ohren sind gegen Malasetien behandelt worden, aber es ist nicht besser geworden, ich glaube, die Taubheit kommt von den lauten Schüssen, die er als Jagdhund immer mitbekommen hat.

    

Hinsichtlich der Augen will ich ihn noch einem Spezialisten vorstellen, vielleicht ist es grauer Star, den man operieren lassen könnte, wenn es grüner Star ist, dann muss er Tropfen gegen den Augeninnerdruck (Druckschmerz) haben, ich glaube aber, dass es grauer Star (Katarakt, Linsentrübung) ist. Vielleicht kann er nach einer OP wieder (etwas?) sehen.

In unserem Haus und Garten kommt er gut zurecht, zum einen geht er relativ vorsichtig, so dass er sich nicht weh tut, wenn er irgendwo vorstößt, er scheint recht schnell eine Art „inneres Bild“ entwickelt zu haben. Er wird auch langsam ruhiger, d.h., er läuft nicht mehr so viel wie in den ersten Tagen im Garten hin und her oder im Haus. Er hat auch schon seine Lieblingsplätze, z.B. die Vormittagssonne bekommt man am besten auf der Ecke des Teppichs mit, die Nachmittagssonne woanders...Sein Appetit ist gut, man muss wohl aufpassen, dass er seine tolle schlanke Figur behält, er wird von allen Freunden, die ihn bisher gesehen haben, als schöner Hund gelobt!

    

Sein Jagdtrieb ist allerdings immens, er gerät vor Freude außer sich, wenn ich ihm die Leine anlege und ist draußen ständig auf Spurensuche, wobei es in dem Wald, in dem wir wandern, auch sehr viele Kaninchen, Eichhörnchen, Tauben und auch Füchse und Rehe gibt. Dann geht er in einem enormen Tempo über Stock und Stein und will mit Gewalt in irgendein Gebüsch hinein, setzt sich davor in Positur, „Anzeigen“ nennen das die Jäger ja, und weil dann immer noch nichts passiert, fängt er an zu bellen. Er hat eine 10 m Schleppleine, aber ich werde ihn draußen niemals ohne Leine laufen lassen können, denn ich kann ihn ja nicht zurückrufen, und da der Wald von mehreren Straßen zerschnitten wird, würde er vor das nächste Auto laufen, die er ja weder hören noch sehen kann.

Luca muss sich also ganz auf seinen Geruchssinn verlassen, das klappt aber ganz gut, er folgt uns mit Hilfe seiner Nase und er freut sich immer, wenn er gestreichelt wird. Er hat eine ganz rührende Art, sich an uns zu drücken oder den Kopf aufs Knie zu legen. Für seine 13 Jahre ist er noch sehr fit und auch sehr lernfähig und wir hoffen, dass er noch ein paar schöne Jahre bei uns hat. Er hat mir gesagt, dass er Sie herzlich grüßen möchte und Ihnen dafür dankt, dass Sie ihm die Ausreise aus Spanien ermöglicht haben. Alte Menschen ziehen gerne in die warme Sonne des Südens, alte Hunde ziehen besser nach Norden, meint er.

Mit allen guten Wünschen für Sie und Ihre Arbeit und mit herzlichen Grüßen, Renate