Ein Jahr mit Kimi – Zeit Bilanz zu ziehen

Vor nunmehr einem Jahr kam ein kleiner verdreckter Hund aus Spanien zu uns – Kimi, oder Dorada wie sie damals hieß, eine Cocker Spaniel Hündin. Ein bisschen schüchtern, sehr anhänglich, verschmust, verfressen, lieb. Mit ca. 8 Monaten jünger als zunächst geschätzt. Freundlich zu unseren anderen Hunden, eine Expertin im Auffinden von undichten Stellen im Gartenzaun, kompromissbereit im Zusammenleben mit unseren Katzen.

 

Spielen mit Bällen oder einem Kong konnte sie nicht und kann es auch heute nicht. Naja, sie trägt „ihren“ Ball herum, läuft ihm auch manchmal nach, aber so richtig spielen? Sie hat es wohl nie gelernt. Kimi konnte nicht mit anderen Hunden spielen und kann es auch heute noch nicht. Sie geht lieber ihren eigenen Weg. 

Kimi ist ein Jagdhund. Wer sie zu Hause erlebt und dann bei Spaziergängen im Wald oder auf den Feldern, sagt, sie sei dann ein total anderer Hund. Zu Hause, also auch im Garten, ist sie der liebe schmusige Familienhund, dem nichts über das Zusammensein mit seinen Leuten geht. Kimi im Gelände kann nicht ohne Leine laufen. Mit Kimi spazieren gehen ist: ziehen an der Leine, ignorieren des Hundeführers, ignorieren von Leckerchen, suchen nach einer Fährte.

 Nach sechs Wochen Zusammenleben stellte sich für uns die Frage: was macht man mit einem intelligenten, quirligen Hund? Denn Kimi ist sensibel und intelligent und muss beschäftigt werden, nicht nur körperlich sondern auch kopfmäßig. Lösung: man geht in die Hundeschule.

  

In der Hundeschule kam Kimi zunächst in die Welpen- und Sozialisierungsgruppe, denn auch hier wurde sie auf ca. 8 Monate geschätzt, und dann weiter in den Grunderziehungskurs. Wenn ich mit Kimi auf den Platz kam bellte sie und hörte mit Bellen auf, wenn wir gingen. Kimi hatte Stress, Stress mit Hunden, die ihr zu nahe kamen, Stress mit größeren Hunden, vor allem Stress mit Schäferhunden, und ganz extrem Stress im Freilauf mit anderen Hunden. Und Kimi haute ab. Ab durch den Zaun, quer über die Felder, rein in den Wald. Es half kein Flöten „Kimi, Kimilein...“, kein Locken, nichts. Wir konnten nur hinterher und versuchen, den Hund zu finden (mittlerweile ist der Zaun in der Hundeschule „Kimidicht“ gemacht worden). Und mehr als einmal habe ich ihr erklärt, dass ich sie an den Pferdemetzger verkaufen werde.  

Mit viel Geduld der Hundetrainer, viel Üben und viel Zuwendung entwickelt sie sich aber nach und nach zu meinem Traumhund, ja, anders kann ich es gar nicht nennen. Sie läuft mit lockerere Leine neben mir auf dem Platz , hört auf die Kommandos, lässt sich ablegen und aus der Entfernung rufen, hat natürlich den Grunderziehungskurs mit Bravour bestanden. Mittlerweile gehe ich mit ihr neben dem Erziehungskurs – wir ruhen uns auf den Lorbeeren nicht aus – in die Agilitygruppe für Anfänger. Hier wird sie richtig gefordert, Wand, Steg, Wippe – mit Anhalten –kein Problem für Kimi. Auch ihr Verhalten anderen Hunden gegenüber wird besser, weil sie sich in der Stunde so konzentrieren muss, dass sie keinen Sinn für andere Hunde hat. Manchmal steht sie als „Puffer“ zwischen zwei Rüden. Natürlich hat sie noch immer Stress im Freilauf und pöbelt nach wie vor andere Hunde an. Mit viel Einfühlungsvermögen wird von den Trainern aber immer wieder der eine oder andere Hund ausgesucht, der Kimi zeigt, wie sich ein Hund zu benehmen hat. So wurde der Schäferhundrüde Nanuk zwar von Kimi in den Po gezwickt, hat ihr aber anschließend gezeigt, wie sich eine jüngere Hündin einem älteren und größeren Rüden gegenüber zu benehmen hat.

  

Kimi ist absolut kein Anfängerhund und ganz bestimmt kein Hund für bequeme Leute. Sie fordert ihre Menschen und geht niemals den einfachen Weg. Wenn sie wieder erfolgreich im Austricksen war – mit ihrem Cockerblick wickelt sie ja auch jeden um den Finger - gibt mehr als einmal den Moment, in dem ich Freunden sage „sie ist einfach zu schlau für Euch“. Mit Kimi muss man arbeiten. Ich gehe jeden Tag mindestens drei Stunden spazieren, dazu kommen zweimal pro Woche die Stunden in der Hundeschule. Bei den Spaziergängen ist sie meistens an der Schleppleine, damit sie sich austobt und ich dann mit ihr „Kopftraining“ machen kann. Da kann ich von Glück sagen, dass unsere beiden Cotons pflegeleicht sind. Sie trotten brav hinterher und mitunter habe ich den Eindruck, sie würden sich gerne mal mit der Pfote an den Kopf greifen, wenn Kimi wieder spinnt. Und Kimi ist absolut auf mich fixiert. Natürlich liebt sie auch meinen Sohn und akzeptiert problemlos jeden Besucher aber ich bin ihr „ein und alles“.

Seit nunmehr 2 Wochen mache ich auf Anraten eines Hundepsychologen mit Kimi „Aufmerksamkeitstraining“, auch gibt es ihr Futter nur noch unterwegs und aus der Hand, damit die Bindung besser wird und ich ihr irgendwann auch im Wald wichtiger sein werde als eine Wildspur. Und auf die Begleithundeprüfung arbeiten wir auch hin – im kommenden Frühjahr sind wir bestimmt soweit.

  

Wir haben unsere Entscheidung nie bereut, Kimi zu uns zu nehmen. Ein Leben ohne sie ist einfach nicht mehr vorstellbar. Sie ist voller Leben, voller Liebe. Es ist schön, ihr zuzusehen, wenn sie an der Schleppleine über eine Wiese rennt – Lebensfreude pur. Sie gehört fest zur Familie dazu. Natürlich würde es uns nie in den Sinn kommen, etwas ohne unsere Hunde zu unternehmen. Logischerweise muss man sein Leben umstellen, hat immer noch mehr Verantwortung durch die Tiere. Als „Hundemensch“ muss man alle Planung anders durchführen. Die Tage verlaufen anders, die Urlaube sowieso. Apropos Urlaub: wir waren mit Kimi in ihrer Heimat Spanien. Wir hatten eine hundebegeisterte Vermieterin, hundefreundliche Nachbarn, zeitweise lebten 7 Hunde zusammen. Dank Kimi kennen wir jetzt den freundlichsten Angestellten Spaniens in einem Baumarkt – selbstredend, dass wir auch dort das Grundstück „Kimisicher“ machen mussten.

Danke dem Team von „Tiere-in-Spanien“ für dieses Energiebündel.

 

Dorada in ihrem neuen Zuhause vor einem Jahr... 

Dorada in Lauterbach

Am 23. September 2005 kam ich mit einem Transport nach langer Fahrt in der Nähe von Trier an. Es war alles so neu für mich und hätte ich gewusst, dass damit meine Odyssee noch nicht zu Ende ist... Denn am Abend wurde ich von meiner neuen Familie abgeholt. Und noch mal drei Stunden Fahrt. Die lag ich aber brav auf den Füssen von meinem neuen Herrchen. Und dann endlich großes Hallo in meinem neuen Heim! Da waren ja noch zwei Hunde in der Familie und zwei Katzen. Mit den Hunden gab es keine Probleme, die ältere Hündin hat mir aber gleich gezeigt, wer Chef im Haus ist, na ja, man kann sich ja auch nicht von einem Teeny wie mir auf der Nase rumtanzen lassen. Nun, mit den Katzen habe ich einen Waffenstillstand geschlossen. Ich hoffe, dass daraus eine kleine Freundschaft wird.

 

Ich weiß ja, ich habe so schlimm gestunken als ich ankam. Meine Haare an den Ohren und den Beinen waren total verfilzt und so schmutzig. Aber vorsichtig hat mein Frauchen alles abgeschnitten und dann gesagt, ich sein ein richtig feiner Hund. So ganz stubenrein war ich ja noch nicht, besonders in den ersten Nächten hatte ich so meine Probleme aber niemand hat mit mir geschimpft, im Gegenteil, mein neues Frauchen hat sich den Wecker gestellt und geht nun Nacht für Nacht mit mir noch mal in den Garten. Und krank wurde ich auch. Bekam ganz schlimmen Husten und habe auch noch die kleine Indi angesteckt. So habe ich wenigstens den Tierarzt mal kennen gelernt, der scheint auch ganz ok zu sein, zumindest gab es dort Leckerchen.

 

Überhaupt, hier geht alles mit Leckerchen. Dabei kenne ich so was gar nicht. Ich wusste Anfangs nicht, was ich damit soll. Wenn ich an der Leine gezerrt habe hieß es gleich leise „hier“ und dann kam ein Leckerchen von oben. Kein Gezerre und Geschimpfe wie früher.

 

Wir gehen hier viel spazieren. Der Wald und die Felder sind gleich in der Nähe. Und immer begegnen wir anderen Hunden und dann gehen meistens noch Freunde mit Hunden mit uns mit. Alles ist so aufregend und überall riecht es so gut im Gebüsch. Gestern haben wir sogar einen Haufen Federn von einem Greifvogel gefunden. Frauchen meinte, den hätte ein Fuchs gerissen. Ach, wie war das aufregend, meine Nase in den Federhaufen zu stecken.

 

Und einen Garten gibt es hier in dem man toben und rennen und buddeln kann. Da habe ich in der kurzen Zeit gelernt, wie man mit einem Ball spielt. Das es so was Tolles gibt! Aber weil das alles so aufregend und neu ist, muss ich erst mal lernen, wie ich so zurechtkomme. Mittlerweile weiß ich schon was von mir erwartet wird, wenn die Menschen „Platz“ sagen. Und „nein“ und „fein“ kenne ich auch schon.

 

Ich habe aber immer noch Angst, dass ich mein neues Frauchen und mein Herrchen nicht mehr finde. Also folge ich ihnen überall hin, nicht, dass sie sich noch verlaufen und dann stehe ich dumm da. Aber wisst Ihr, was am schönsten ist? Das Knuddeln und Schmusen. Wenn man sich so total geborgen fühlt und sich fallen lassen kann, die Augen vertrauensvoll schließt und merkt: „ich bin endlich angekommen. Hier bin ich zu Hause.“

Übrigens heiße ich jetzt KIMI. Das ist ein indianischer Name und bedeutet „Geheimnis“. Denn Geheimnisse aus meinem früheren Leben habe ich genug.

Und mein Frauchen möchte sich ganz doll bei Antje und ihrem Team bedanken. Es ist toll, dass es Menschen gibt, die sich so für Tiere einsetzen und helfen.

Vielen, vielen Dank! 

Eure Kimi